Die Bedeutung vom Summen der Bienen — der Urklang der Schöpfung
- Bea Cervinka

- 16. Mai
- 7 Min. Lesezeit
Es war das allererste Mal, dass ich meine Hände auf einen Bienenstock legte.
Mein späterer Imkerpate hatte mich mitgenommen zu seinen Beuten — ich wusste noch nicht viel, verstand noch wenig, stand einfach da. Und dann legte ich die Hände auf das Holz. Und hörte.
Es war ganz anders, als ich es erwartet hatte: Es war kein Brummen wie das einer Mücke oder das aggressive Sirren einer Wespe. Es war etwas ganz anderes — ein Summen, das sich durch die Holzplanken in meine Handflächen übertrug, warm, lebendig, als würde etwas in mir antworten, das ich bis dahin nicht kannte.
Seitdem habe ich gelernt, dieses Summen zu lesen. Es klingt anders, wenn die Mädels entspannt bei der Arbeit sind. Anders, wenn sie unruhig werden. Anders, wenn etwas im Stock nicht stimmt. Wer einmal gelernt hat zuzuhören, erkennt den Unterschied sofort — auch ohne hineinzuschauen.
Was ich damals noch nicht wusste: Dieses Summen ist nicht nur die Sprache meiner Bienen. Es ist eines der ältesten Klänge der Welt. Und in nahezu jeder Hochkultur der Menschheit galt es als heilig.
Was das Summen der Bienen ist
Ein Bienenvolk ist ein lebendiger Organismus. Ein sich selbst regulierendes Wesen, das eine konstante Temperatur von 30 bis 36 Grad hält, das kollektiv entscheidet, das gemeinsam atmet. Und das summt — mit einer Stimme, die aus Tausenden einzelner Flügelschläge entsteht und doch wie aus einem einzigen Mund klingt.
Heinrich Sannemann, der sich jahrzehntelang mit der Energie von Bienenvölkern beschäftigte, maß dieses Summen in Frequenzen. Ein Volk mit einer Zuchtkönigin schwang bei 450 Hz. Ein Volk mit einer Schwarmkönigin bei 566 Hz. Und ein Volk, das im Bienensiebenstern aufgestellt war — einer sternförmigen Anordnung von sieben Völkern in einem bestimmten Winkelmaß — erreichte Frequenzen von knapp 1000 kHz.
Was bedeutet das? Alles in unserem Universum schwingt. Jedes Atom, jede Zelle, jeder Organismus besitzt eine messbare Frequenz. Höhere Frequenzen stehen für mehr Lebendigkeit, mehr Kohärenz, mehr Ordnung. Die Erde selbst besitzt ihre eigene Schwingung — die Schumannfrequenz — die erstaunlicherweise mit der Frequenz des menschlichen Gehirns übereinstimmt.
Und das Summen der Bienen liegt genau in jenem Bereich, der den menschlichen Körper berührt — der das Nervensystem verlangsamt, der etwas in uns zum Klingen bringt, das sich mit Worten kaum fassen lässt. Imker wissen das seit Jahrtausenden, lange bevor es Messgeräte gab, die es bestätigen konnten. Sie haben es gespürt, mit den Händen auf dem Holz, mit dem Ohr am Stock, mit dem Herzen, das auf ein Summen antwortete, das älter ist als jede Religion.
Im Anfang war das Wort
In Ephesus, dem legendären Tempel der Artemis, lehrten die Priesterinnen — die Melissai, die Bienen — ein Geheimnis, das sie für das wichtigste hielten: dass am Anfang aller Dinge ein Klang stand. Ein Ton. Ein Wort.
Die Griechen nannten es Logos. Die Inder kennen es als OM — jenen Urklang, aus dem nach hinduistischer Überlieferung das gesamte Universum entstanden ist. Das Johannesevangelium beginnt mit demselben Gedanken: Im Anfang war das Wort.
Wer das OM mit der eigenen Stimme tönt, merkt etwas Erstaunliches: Am Ende landet man bei einem Summen. Einem tiefen, vibrierenden Mmmmm, das den ganzen Körper zum Klingen bringt. Genau dieses Summen kennt die indische Yogapraxis als Brahmari Pranayama — die Bienenatmung.
Jede mir bekannte Religion, jede Überlieferung, jede Einweihungstradition beschreibt Ton, Klang, das Wort als den Ursprung der Schöpfung. Sie alle sprechen von demselben Geheimnis — in verschiedenen Sprachen, aus verschiedenen Zeiten, von verschiedenen Kontinenten.
Und die Biene summt es seit hunderttausend Jahren. Der Urklang der Schöpfung und das Summen der Biene — sie sind ein und dasselbe.
Die Schnittstelle — wo Physik und Mythos sich berühren
Schauen wir uns Materie in ihrer kleinsten Form an, landen wir bei einer überraschenden Wahrheit: Ein Atom besteht zu 99 Prozent aus leerem Raum. Der Rest ist Schwingung. Elektronen, die um einen winzigen Kern kreisen, in einer bestimmten Frequenz, messbar in Hertz. Alles, was wir sehen, anfassen, erleben — Holz, Stein, Haut, Honig — ist im Grunde nichts anderes als Schwingung, die wir als scheinbar feste Materie wahrnehmen.
Der Ton, das Summen, ist die Schnittstelle, an der Energie Materie entstehen lässt.
Unser Körper ist darauf ausgelegt, Schwingung wahrzunehmen — nur mit unterschiedlichen Sinnen, je nach Frequenz. Was das Auge als Licht sieht, was die Haut als Wärme spürt, was das Ohr als Ton hört — es ist im Grunde dasselbe Phänomen in verschiedenen Frequenzbereichen. Unser gesamtes Universum ist eine riesige Sinfonie, und wir sind Instrumente, die darauf abgestimmt sind, sie zu empfangen.
Die alten Hochkulturen haben das gewusst — lange bevor es Physik gab, die es beschreiben konnte. Sie haben es erlebt. In den Tempeln von Ephesus, in den Gesängen der vedischen Priester, in den gregorianischen Chorälen der mittelalterlichen Mönche. Sie alle arbeiteten mit Frequenzen, die den menschlichen Körper berühren, das Nervensystem verlangsamen, das Bewusstsein weiten.
Die Biene summt. Der Mensch summt. Die Erde summt.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass in jeder Kultur, die je auf dieser Erde gelebt hat, das Summen der Bienen als heilig galt. Als Verbindung zu etwas, das größer ist als der einzelne Moment. Als Erinnerung daran, dass wir Teil eines Klanges sind, der schon lange vor uns begann — und der weitergeht, lange nach uns.
Die Biene als lebendige Verkörperung des Schöpfungsvorgang
Doch warum gilt das Summen der Biene in so vielen Überlieferungen als Urklang der Schöpfung — und nicht das Summen irgendeines anderen Wesens?
Die Antwort liegt in dem, was die Biene tut.
Sie sammelt das pure Sonnenlicht. Nicht als Metapher, sondern wörtlich: Die Energie der Sonne lässt die Blüten aufgehen, und die Biene trägt deren Essenz in ihr Zuhause. Zusammen mit dem Wasser, das als Regen vom Himmel gefallen ist, als Tau auf den Blättern liegt, als stilles Geheimnis in der Erde wartet — bildet dieses Sonnenlicht die Grundlage für alles Leben auf unserem Planeten. Und die kleine Biene, dieses unscheinbare Wesen, nimmt all das in sich auf und formt daraus flüssiges Gold. Honig, der uns die Geschichte vom Leben erzählen kann, wenn wir davon kosten.
Die Biene ist das einzige Wesen, das Licht in Materie verwandelt — und dabei summt. Ihr Summen ist der Klang dieses Vorgangs. Der Klang, an dem Energie zur Materie wird. Der Urklang der Schöpfung, hörbar für jeden, der still genug ist, um zu lauschen.
Heilige Töne — von Solfeggio bis zur Kathedrale
Das Wissen um die Kraft bestimmter Frequenzen ist alt. In den gregorianischen Gesängen der mittelalterlichen Mönche, in den altindischen Sanskrit-Gesängen lebten Klänge weiter, die heute als Solfeggio-Frequenzen bekannt sind — spezifische Töne, die mit Zellen und Organen in Resonanz treten und eine ausgleichende Wirkung auf Körper und Geist entfalten können. Die Kirche verbot sie irgendwann, wegen ihrer bewusstseinserweiternden Wirkung. Erst Jahrhunderte später wurden sie wiederentdeckt.
Doch das Wissen um die Heilkraft des Klanges lebte weiter — in Stein gehauen.
Spätestens seit Pythagoras bezogen Architekten die Prinzipien der musikalischen Harmonielehre in ihre Planungen mit ein. Seine Erkenntnis war so einfach wie tiefgründig: Töne, die in einem ganzzahligen Verhältnis zueinander stehen, klingen harmonisch zusammen. Und dieselben Verhältnisse, die in der Musik Harmonie erzeugen, erzeugen sie auch im Raum. Allen menschlichen Musiksystemen liegen ganzzahlige Maßverhältnisse zugrunde — und dieselben Verhältnisse finden sich in den Proportionen der großen Sakralbauten wieder.
In der Kathedrale von Chartres etwa wurde ein Grundwissen harmonikaler Maßsysteme angewandt, das auf ein uraltes Wissen zurückgeht. Nur Eingeweihte kannten die heilige Formel — das Wort und den Ton, welche die universellen Schwingungen eines Ortes bestimmten. Ein Wissender löste die Worte der Formel in Zahlenverhältnisse auf. Ein Baumeister verwandelte die Zahlen in geometrische Formen, in Proportionen, in lastende und stützende Kräfte.
Diese Kathedralen waren keine bloßen Gotteshäuser. Sie waren in Stein übersetzte Musik — Räume, die denselben Urklang trugen wie das Summen der Bienen, die Gesänge der Mönche, das OM der vedischen Priester.
Der Klang, der uns erinnert — die Trommel
Es gibt einen Moment in meinem Leben, den ich nie vergessen werde, der mich selbst an den Urklang der Schöpfung erinnert:
Ich durfte meine eigene Mondtrommel bauen, eine zum Drunterlegen mit 1,10m Durchmesser. Die Felle mussten gewässert werden, damit sie sich bearbeiten ließen — also warfen wir sie in einen großen See. Als sie sich dann mit Wasser vollgesogen hatten (was ja in der Esotherik mit Bewusstsein gleichgesetzt wird) und wir sie wieder ans Ufer zogen, um ihnen eine neue Gestalt und ein neues Leben zu schenken, liefen mir die Tränen vor Ehrfurcht. Zu sehr erinnerte mich dieser Moment an eine Erzählung der nordischen Überlieferung: Die Götter fanden Ask und Embla kraftlos am Strand — die ersten Menschen, noch ohne Atem, ohne Wärme, ohne Bewusstsein. Die Götter hauchten ihnen das Leben ein.
Der Klang der Schamanentrommel wirkt tief, tiefer als Musik, tiefer als Worte. Das liegt daran, dass er etwas in uns anspricht, das älter ist als jede Erinnerung. Der monotone Rhythmus ahmt jene Klänge nach, die jeder Mensch als allererstes gehört hat — noch bevor er das Licht der Welt erblickte. Das Rauschen des Blutes der Mutter, das Schlagen ihres Herzens, das Gluckern des Magens. Unser Körper erinnert sich. Er weiß noch, wie es sich anfühlt, vollkommen geborgen zu sein, getragen von einem Rhythmus, der größer ist als man selbst.
Das Summen der Bienen. Die Gesänge der Mönche. Die Proportionen der Kathedralen. Der Schlag der Trommel. Sie alle sprechen dieselbe Sprache — die Sprache der Schwingung, die uns erinnert, woher wir kommen.
Was das mit dir zu tun hat
In der Hatha Yoga Pradipika, einer der ältesten überlieferten Yogaschriften, steht ein Satz, der mich nicht mehr loslässt:
Wer Bhramari übt, erfährt Freude im Herzen.
Nicht Entspannung. Nicht Stressabbau. Freude im Herzen.
Brahmari — die Bienenatmung — ist eine der ältesten bekannten Atemübungen der Menschheit. Ihr Prinzip ist so einfach wie tiefgründig: Beim Ausatmen summst du. Leise, mit geschlossenem Mund, die Schwingung im ganzen Körper spürbar. Was dabei passiert, lässt sich messen: Das Nervensystem verlangsamt sich, der Herzrhythmus beruhigt sich, Gehirnwellen synchronisieren sich. Der Geist, der eben noch ratterte, wird still.
Aber was sich nicht messen lässt, ist das Eigentliche: Du stimmst dich ein auf einen Klang, der älter ist als jede Religion. Den Klang, den die Priesterinnen von Ephesus kannten. Den Klang, den die vedischen Sänger als Urklang der Schöpfung beschrieben. Den Klang, den deine Bienen jeden Tag erzeugen, wenn sie aus Sonnenlicht und Blütenduft Honig bereiten.
Du trägst diesen Klang in dir. Du musst ihn nur summen lassen.
Wenn du spüren möchtest, wie das ist — ich habe eine geführte Bienenatmung für dich aufgenommen. Fünf Minuten. Eine Wiese, ein Bienenstock, ein Summen, das dich erinnert, woher du kommst. Du bekommst die geführte Audioreise als Geschenk, wenn du dich für meinen Newsletter anmeldest.



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