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Es ruft. Es zieht. Was ich tue, wenn die Seele ums Feuer tanzen will — aber der Alltag sagt: morgen vielleicht.

Die Erde unter meinen Fingernägeln war noch feucht, als ich mich in den Gartenstuhl fallen lasse. Ich hatte gerade den letzten Knoblauch ins Beet gepflanzt, die Kinder lagen bereits in ihren Betten, endlich still, der Abend war noch warm genug zum Bleiben. Es war Beltaine, der 30. April. Jetzt allein im Zaubergarten zu sitzen mit dem Feuer — das war alles, was ich mir für diesen Abend gewünscht hatte.


Aber die Erschöpfung war im Augenblick größer. Die Sehnsucht am Feuer zu sitzen war mittlerweile so laut, dass ich sie nicht mehr überhören konnte, zu oft hatte ich den Wunsch wieder beiseite geschoben. Mit den Ahnen im Reigen, barfuß, berauscht von Duft und Nacht und dem Gefühl, dass die Erde atmet. Beltane erleben — den Schwellenpunkt zwischen Frühjahr und Sommer, die Nacht, in der das Feuer ruft, ich hatte es mir so fest vorgenommen für heute.

Stattdessen: Geburtstagseinkauf erledigt. Kühlschrank geputzt. Zwei Online-Angebote fertiggestellt. Angekeimten Knoblauch ins Beet gesetzt. Hausaufgaben mit dem Großen erledigt. Körbeweise gewaschene Wäsche zusammengelegt. Tag der Arbeit eben.


Die Spannung, die bleibt


Dieser Abend wiederholt sich oft, ich kenne ihn mittlerweile so gut wie so gut wie den Montagmorgen, der immer zu früh um die Ecke kommt. Den Zug im Herzen, der tanzen will. Die Erschöpfung im Körper, die sagt: nicht heute. Den Moment, in dem beides wahr ist — und keines davon gewinnt.

Und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. Seit ich angefangen habe, offen darüber zu schreiben, erzählen mir Frauen immer wieder von ihren eigenen Versionen dieses Abends. Der Ruf, der immer lauter wird. Die Zeit, die immer knapper wird. Die Sehnsucht, die irgendwann so vertraut ist, dass man sie fast für selbstverständlich hält.



Das Patentrezept


Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich jetzt schreiben würde, dass ich das Patentrezept habe, mit dem ich immer einen Weg finde, dem inneren Ruf zu folgen. Das habe ich nicht.

Aber ich habe gelernt, wie ich ihm wenigstens ein kleines Stück entgegenkommen kann:

Wenn es für das Ritual am Feuer nicht reicht — okay. Dann zünde ich wenigstens drei Holzscheite an und setze mich zu den knisternden Flammen, eine halbe Stunde nur, um den Tag ziehen zu lassen. Ich beobachte den Rauch, der sich Richtung Himmel kringelt und die Dunkelheit, die sich langsam über den Garten legt. Das reicht manchmal, um das Flüstern der Seele wieder hören zu können.

Wenn selbst das zu viel ist, die Kinder nicht schlafen und der Tag zu lang war, dann hilft auch die Badewanne. Warmes Wasser, Kerzenlicht und die Stille, die so voller Klang ist. Und wenn selbst dafür die Kraft oder die Zeit nicht reicht tut es im Notfall auch eine Tasse Kaffee, Kräutertee, warme Milch mit Honig — eigentlich egal was es ist. Ich halte sie in meinen Händen, spüre die Wärme, atme den Duft ein und lasse mich Schluck für Schluck tiefer in die Stille sinken. Und dann gehe ich ins Bett.

Weil ich weiß, dass morgen ein neuer Tag ist — und weil ich gelernt habe, dass die Seele auch morgen wieder flüstert. Sie wartet geduldig und ohne Vorwurf, bis sie gehört wird — manchmal leiser, manchmal lauter. Ihre Nachrichten sind keine neuen Punkte auf der ToDo Liste und kein weiterer Anspruch, den ich erfüllen muss. Es ist der rote Faden, der mich daran erinnert, dass ich mehr bin als die Summe meiner Aufgaben. Es ist der Anker, der mich durch den Alltag trägt.


Was mir noch hilft


Ich habe mich vor einiger Zeit an noch etwas erinnert, das hilft, den Kopf auszuschalten und in die Ruhe zu finden: Wenn mein Sohn sich schwergetan hat, einzuschlafen, habe ich ihn ins Schlummerland gesummt. Genau, nicht gesungen, sondern gesummt. Denn die Bienenatmung ist ein uraltes, summendes Atemgeräusch, das den Geist zur Ruhe bringt, bevor der Körper ins Bett sinkt. Ich habe sie vertont und eine geführte fünf-Minuten-Meditation daraus gemacht. Du kannst sie für 0€ anhören. Für genau solche Abende.


Und aus dieser kurzen Aufnahme entstand etwas, das ich mir selbst gewünscht hätte — an all den Abenden, an denen die Sehnsucht größer war als die Erschöpfung, aber der Tanz am Feuer trotzdem nicht stattgefunden hat: Meine Audio-Reisen. Sie führen dich dorthin, wo der Alltag dich nicht hinlässt. In den Rhythmus des Mondes, in die Stille zwischen zwei Atemzügen. Kopfhörer rein, Augen zu — und für einen Moment gehört die Nacht dir.

Und wenn du spürst, dass du nicht nur einen Moment, sondern einen ganzen Rhythmus suchst, dann schau doch mal ins Seelenatelier. Es wartet auf dich.


Und jetzt du


Das ist meine Antwort auf die Frage, die mich seit diesem Beltane-Abend im Garten nicht mehr loslässt. Eine warme Tasse in den Händen, eine Badewanne im Kerzenlicht, drei Holzscheite im Garten — und das Wissen, dass die Seele geduldig wartet, bis sie gehört wird.

Aber ich möchte nicht nur meine Antwort kennen. Ich möchte deine kennen.

Deswegen habe ich eine Blogparade ins Leben gerufen — eine Einladung an Bloggerinnen, die geerdet schreiben, die den Jahreskreis kennen und die wissen, wie sich dieser Abend anfühlt. Die Idee ist einfach: Du schreibst deine Geschichte auf deinem Blog, verlinkst diesen Aufruf — und wir weben gemeinsam ein Netz aus echten Antworten auf eine echte Frage:


Wie folgst du dem, was in dir zieht — auch wenn der Alltag laut ist?


Alle Infos zur Teilnahme findest du hier:

Ich freue mich auf deine Geschichte.

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