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Plejaden, Bienen und Mythologie am Sternenhimmel — ein Wissen, das niemand vergessen sollte

Der Orion, die Plejaden - Namen, die in der Erinnerung vieler Menschen mit einem besonderen Klang schwingen. Sie rufen in mir eine tiefe Erinnerung, ein Sehnen, hervor und tragen eine unerklärbare Heiligkeit. Orion war für mich Mythos. Faszination. Eine Verbindung zwischen Himmel und Erde, die ich spürte, ohne sie benennen zu können.

Dieser markante Gürtel aus drei Sternen, der in klaren Winternächten so verlässlich am Himmel steht. Ich erinnere mich, wie ich als Kind in den Himmel schaute und ihn suchte — ohne zu wissen warum. Später, als Frau, die sich durch die Mythen des alten Ägypten las, verstand ich, dass die drei großen Pyramiden von Gizeh seinen Gürtel abbilden — mit einer Präzision, die bis heute Wissenschaftler staunen lässt.


Dass er auch eine Verbindung zur Biene trägt — das erfuhr ich erst, als ich meine Apitherapie-Abschlussarbeit schrieb. Ich stieß auf eine Geschichte, die mich innehalten ließ. Und dachte: OHO. So bedeutsam war die Biene tatsächlich?


Ein Wissen, das älter ist als die Geschichte


Die Plejaden und Orion sind ein Gedächtnis der Menschheit. Die Menschen haben mit ihnen ihr tiefestes Wissen in den Himmel geschrieben, damit es niemand vergessen kann. Nicht in Bücher, die verbrennen, nicht in Tempel, die verfallen. In die Sterne.

Diese Bilder tauchen in nahezu jeder Kultur auf, von den Aborigines in Australien bis zu den Völkern der Arktis. Und die Geschichte, die sie erzählen, ist überall dieselbe:


In der Traumzeit der australischen Aborigines leben die Plejaden als die Sieben Schwestern — heilige Mädchen, die von einem Jäger verfolgt werden, der am Nachthimmel als Orion bekannt ist. Dieselbe Geschichte erzählen die alten Griechen. Dieselbe Geschichte kennen die Maori in Neuseeland, die samischen Stämme in Nordsibirien, indigene Völker in Nordamerika. Überall sieben Schwestern, überall ein Jäger, überall dieselbe kosmische Verfolgung.


Die Vorfahren der australischen Aborigines verließen den afrikanischen Kontinent vor rund 100.000 Jahren — lange bevor es Kontakt zu anderen Kulturen gab. Und doch erzählen sie dieselbe Geschichte wie die alten Griechen. Wissenschaftler schlussfolgern daraus, dass diese Überlieferungen auf eine gemeinsame menschliche Urgeschichte zurückgehen. Der älteste Mythos der Menschheit, in den Himmel geschrieben.

Das erklärt dieses Sehnen, das so viele beim Anblick der Plejaden spüren. Es ist eine echte, tiefe Erinnerung — eingeschrieben in unser kollektives Gedächtnis, lange bevor es Worte dafür gab.

Und mitten in diesem uralten Wissen steht die Biene.


Die Plejaden und die Biene


In der griechischen Überlieferung waren die Plejaden die Begleiterinnen der Artemis — jener Göttin, deren Priesterinnen in Ephesus die Melissai hießen, die Bienen.

Die sieben Schwestern galten als Töchter des Atlas und der Pleione, göttlicher Herkunft, dem Sterblichen entrückt. Und sie waren es, so heißt es, die den Menschen die Bienenzucht lehrten. Das Wissen um den Honig, um den Stock, um das heilige Summen — es kam von den Sternen.

Doch ihre Bedeutung reichte noch tiefer. Wenn die Plejaden im Frühling am Morgenhimmel aufstiegen, begann die Aussaat. Wenn sie im Herbst verschwanden, war die Ernte zu Ende. Jahrtausende lang dienten sie als Kalender — präziser als jede von Menschen erdachte Uhr. Die Himmelsscheibe von Nebra, eines der ältesten astronomischen Instrumente der Welt, trägt ihre Abbildung. Gefunden in Deutschland, über 3600 Jahre alt.

Das Wissen um die Plejaden war kein mystisches Hirngespinst. Es war praktisch, lebensnotwendig, universal. Und es war untrennbar verbunden mit der Biene — dem Wesen, das wie kein anderes die Zyklen der Natur verkörpert. Das blüht, wenn die Erde blüht. Das ruht, wenn die Erde ruht.


Orion, der Stier und die Biene


Orion verfolgt die Plejaden — Nacht für Nacht, seit Jahrtausenden, ohne sie je einzuholen. So steht es in den Mythen und auch am Himmel.

Und der Stier steht dazwischen.

Das Sternbild des Stiers trägt die Plejaden auf seinem Rücken — jenes Erdzeichen, das seit jeher mit Fruchtbarkeit, Regen und dem Erwachen der Erde verbunden ist. Wenn der Stier am Morgenhimmel aufgeht, beginnt der Frühling. Wenn die Plejaden in ihm aufgehen, ist es Zeit zu säen.


In den Völkern, die dieses Bild kannten, lebte dasselbe Verständnis: Das Lebendige folgt seinem eigenen Rhythmus, seiner eigenen Ordnung. Und wer das versteht — wer aufhört zu jagen und anfängt zu lauschen — findet die Biene.

Sie war schon immer da, mitten in diesem kosmischen Bild, auf dem Rücken des Stiers, im Umkreis der Plejaden, summend im Takt einer Ordnung, die älter ist als jede menschliche Geschichte. Sie übersetzt den Rhythmus des Himmels in die Sprache der Erde — und macht aus Sonnenlicht und Blütenduft etwas, das bleibt, wenn die Blüte längst vergangen ist und was den Menschen von dieser lebendigen Ordnung erzählt, wenn sie davon kosten.


Von der Biene zur Fliege


Was auch in den Himmel geschrieben wurde, ist eine Geschichte, die ebenfalls im kollektiven Gedächtnis der Menschheit nachklingt: Es gibt einen Moment in der Geschichte, der mich jedes Mal innehalten lässt.

1612 zeichnete der niederländische Kartograf Petrus Plancius einen neuen Himmelsglobus. Auf ihm erschien erstmals ein Sternbild, das sein Vorgänger Hevelius wenige Jahrzehnte später in seinen Karten übernahm und umbenannte. Was Plancius noch als Apis — die Biene — eingetragen hatte, wurde zur Musca, zur Fliege.


Ein Sternbild wurde umbenannt, nur ein Wort ausgetauscht. Und doch verschwand mit ihm die Biene vom Himmel — genau in jener Zeit, in der auch die weisen Frauen und Heilerinnen auf der Erde verschwanden. In der das Wissen um Kräuter, um Heilung, um die lebendige Ordnung der Natur als Ketzerei verfolgt wurde. In der alles, was älter war als die neue Weltordnung, umgedeutet, verkleinert oder ausgelöscht werden musste.

Von der Göttin zur Hexe. Von der Heilerin zur Teufelsbündlerin. Von der Biene zur Fliege.

Dieses eine Bild sagt alles.


Was noch davon übrig ist


Die Sterne ziehen Nacht für Nacht ihre Bahn über den Himmel und auch die Biene summt seit ca 100.000 Jahren auf der Erde. Beides erzählt von uralten Weisheiten, deren die ihr zuhören. Unberührt von allem, was die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten umgedeutet, verboten und vergessen haben. Bienen sammeln seit Urzeiten das Sonnenlicht, verwandeln es in Gold und summen dabei den Urklang einer Ordnung, die älter ist als jede Religion.


Und vielleicht ist dieses Sehnen, das wir beim Anblick der Plejaden spüren, beim Klang des Namens Orion, beim ersten Mal, wenn die Hände auf einem Bienenstock liegen und etwas in uns antwortet — vielleicht ist es genau das. Eine Erinnerung, die tief in unser Gedächtnis eingeschrieben wurde, lange bevor es Worte dafür gab.


Wer dem Pfad der Biene folgt, findet mehr als Honig und Wachs. Er findet den Weg zurück zu den verborgenen Tönen des Universums. Zu einer Ordnung, die trägt — still, unsichtbar, unerschütterlich.

Die Biene lehrt uns, aus Schwingung und Licht Materie zu erschaffen. Sie lehrt uns, dass Existenz möglich ist, ohne andere Existenzen zu schädigen. Und sie lehrt uns zu lauschen — dem feinen, stetigen Summen, das durch alles hindurchgeht, was lebt.

Das Wissen steht noch immer am Himmel. Die Biene trägt es noch immer in ihrem Summen.

Wir müssen nur still genug werden, um es zu hören.


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